Hamburgs schönstes Stück Geschichte auf engstem Raum
Mitten im Trubel der Hamburger Neustadt, nur einen Steinwurf vom Michel entfernt, versteckt sich ein kleines architektonisches Juwel: die Krameramtsstuben – oder, wie sie liebevoll genannt werden, die Kramer-Witwenwohnungen. Wer hier durch den schmalen Gang zwischen den Fachwerkhäuschen schlendert, fühlt sich direkt ins 17. Jahrhundert zurückversetzt. Kopfsteinpflaster, geschnitzte Holzfassaden, enge Gassen – und ein Hauch von Geschichte in der Luft.

Woher kommt der Name eigentlich?
Die Krameramtsstuben verdanken ihren Namen der Krameramtsstiftung, einem Zusammenschluss wohlhabender Hamburger Kaufleute. Im Jahr 1676 hatte die Gilde eine Idee, die für damalige Verhältnisse ziemlich fortschrittlich war: Sie wollten ihre Witwen versorgt wissen. Also kauften sie ein Grundstück nahe der Sankt Michaeliskirche und ließen dort kleine, aber feine Wohnungen errichten. Insgesamt entstanden 20 Stuben, verteilt auf mehrere schmale Fachwerkhäuser.
Und ja, der Name „Stuben“ ist hier nicht übertrieben: Die Wohnungen waren wirklich winzig! Aber sie boten genug Platz für eine ältere Dame, ein paar Möbel und – ganz wichtig – einen Kanarienvogel am Fenster.

Warum gerade Witwen?
In einer Zeit, in der es keine Rentenversicherung und kaum soziale Absicherung gab, standen viele Frauen nach dem Tod ihres Mannes vor dem Nichts. Der Krameramtsstiftung war das nicht egal – schließlich waren es die Ehefrauen ihrer Kollegen, Freunde und Geschäftsleute. Also wurden die Witwen dort untergebracht – allerdings nur, wenn sie „würdig“ waren. Was das genau bedeutete, darüber ließe sich heute streiten… 😉

Leben auf engstem Raum – mit Stil!
Trotz der beengten Verhältnisse lebten die Bewohnerinnen gar nicht so schlecht. Es gab Wasserpumpen im Hof, später sogar Toiletten (wenn auch draußen), und durch die zentrale Lage waren alle wichtigen Einrichtungen fußläufig erreichbar – inklusive des Michels, den viele täglich besuchten.

Heute: Geschichte zum Anfassen
Die Krameramtsstuben sind heute nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern auch ein einzigartiges Stück Stadtgeschichte. In einem der Häuschen befindet sich ein kleines Museum, das das Leben der Witwen anschaulich dokumentiert. Und wer noch mehr entdecken möchte: In den ehemaligen Wohnungen findet man heute kleine Läden, Galerien und ein Café – mit deutlich mehr Komfort als im 17. Jahrhundert.
Fazit: Klein, aber geschichtsträchtig
Die Kramer-Witwenwohnungen zeigen, wie solidarisch und vorausschauend die Hamburger Kaufleute schon vor Jahrhunderten waren. Und sie beweisen, dass auch auf kleinstem Raum große Geschichten wohnen können.
Wenn du das nächste Mal am Michel vorbeikommst, wirf unbedingt einen Blick in den Hinterhof der Geschichte – und wer weiß, vielleicht hörst du ja noch das leise Zwitschern eines Kanarienvogels… 🐦😉
